Grüße aus Moabit
Meine FAZ-Gerichtskolumne wird jetzt zum Buch: Im Herbst erscheint eine Sammlung der schönsten Moabiter Stücke im Tropen-Verlag. Ich freu mich drauf!
Meine FAZ-Gerichtskolumne wird jetzt zum Buch: Im Herbst erscheint eine Sammlung der schönsten Moabiter Stücke im Tropen-Verlag. Ich freu mich drauf!
Wenn alles gutgeht, wird 2012 der zweite Roman erscheinen, Arbeitstitel: "Schwefel". Er soll Berliner Lobbyismus an den Rand des Fantastischen treiben oder auch darüber hinaus, soll von parasitärer Gedankenkontrolle handeln, schönen neuen Arbeitswelten und dem Zusammenbruch des Privaten in ihnen - glaube ich. Schön wäre, wenn er darüber hinaus Unsagbares enthielte.
Dieser Tage ist bei Ullstein das muntere Sachbuch "Drücken Sie bitte die Eins" erschienen, welches ich mit der wunderbaren Susanne Berkenheger schreiben durfte. Kauft, Leute, kauft!
Casa Zia Lina, bei SuKuLTuR erschienen, ist ein klassisches Stück Stipendiatenliteratur: Über das Leben in einer abgeschiedenen Villa auf Elba, über allabendliche Literatenfütterung und dramatische Wiedehopfsichtungen, über das Umeinanderschleichen, Wispern, Schweigen, Verschwinden...
Bei literaturport.de gibt es eine Aufstellung meiner bislang veröffentlichten Prosa.
Herr Ungerer tut kund und zu wissen: Er habe dieser Tage gemeinsam mit seiner Lieblingsautorin ein Sachbuchmanuskript fertiggestellt und denke sich nun neue wilde Projekte aus. Er sei, so Ungerer, fein raus, die ganze Arbeit mit dem Buch bleibe jetzt am Verlag "Ullstein" hängen: Papier zusammensuchen, binden, etc.
Im August 2008 ist mein erstes literarisches Großprojekt erschienen, das fragmentierte Planetenporträt Alles über die Welt.
Die Aufnahme in den Feuilletons war wohlwollend, doch auch etwas ratlos. Journalistische Durchleseroutinen scheitern wohl an diesem Buch, das sich ein eigenes Format gewählt hat und eher wie ein großer Gedichtzyklus in Prosaform zu lesen ist denn als lineare Erzählung.
Immerhin, ein bisschen Lob hat sich einheimsen lassen
"An Erfindungsreichtum, grotesker Phantasie und Sprachwitz ist Ungerers Weltroman schwer zu übertreffen", urteilt Martin Halter in der FAZ, tadelt aber auch: "Manchmal übertreibt er es."
In einem ähnlichen Zwiespalt befindet sich auch Alexander Kissler in der Süddeutschen Zeitung: "Unerträglich monoton, qualvoll zynisch wäre das Buch, betriebe der Erzähler einen derart gewaltigen rhetorischen Aufwand, um sich über das Dargestellte zu erheben. (...) Tatsächlich aber folgt 'Alles über die Welt' spielerisch einem hochmoralischen Zweck. Das Buch will zur Sprache bringen, was unbetrauert verschied, will melancholisch-heiter Zeugnis ablegen von dem, was unbekannt starb."
Will es das? Lässt sich so doch ein roter Faden ziehen durch das Weltlabyrinth? Christian Duyf lässt in der WAZ das Skandalöse zu: Dass hier vielleicht gar nichts auf den Punkt gebracht werden soll. "Klaus Ungerer macht aus seinem zwangsläufigen Scheitern beim Versuch, alles über die Welt aufzulisten, keinen Hehl. Lieber nimmt er das aus jedem Winkel der Erde unablässig gefütterte, unbeherrschbare Wissens-Monster auf die Schippe: Alle Bilder zeigen Flugzeugabstürze, lassen das Symbol der globalisierten Welt nur im Zustand des Scheiterns erscheinen.Ungerer selbst vermeidet so seinen Absturz in die Abgründe einer aussichtslosen Auswahl des guten, wichtigen Wissens. Er schwebt lieber zwischen den Welten. Kein Sachbuch ist es, das den Leser erwartet, aber auch kein Roman, wie der Buchdeckel verspricht."
Meine liebsten Rezeptionsbeschreibungen stammen indes von Lesern, die den Mut und die Freiheit besessen haben, "Alles über die Welt" ohne Enderwartung auf sich wirken zu lassen. Adalbert Melichar schrieb in einer mittlerweile unbetrauert aus dem Internet verschwundenen Rezension auf biblio.at: "Es ist allerdings kein Buch, welches sich auf den ersten Einblick zur Gänze anbiedert. Es will erobert, sorgfältig in ruhigen Stunden erlesen und im Geiste bereist werden." Die Amazon-Userin Lilo K. "Trüffelschwein" lobt: "Das ist kein Roman mit Showdown im herkömmlichen Sinne, aber endlich mal wieder eine wirklich originelle Buchidee: Die ganze Welt, von Nord- bis Südpol, von Australien bis Hawaii, in ganz besonderen und manchmal rätselhaften Geschichten darzustellen, mit einem ganz eigenen Witz und Ton, mal lakonisch und mal sentimental, mal komisch und mal tragisch. Dem Leser bleibt dabei viel Raum für die eigene Phantasie." Und Amazon-User Matthias Kukowski meint: "die kleinen, schmackhaften episoden-häppchen werden zu liebgewonnenen erinnerungen und schaffen gleichzeitig ein melodiöses gesamtbild, empfehlenswert."
Melodiös - das ist, nach allem, ein großes Wort, für das man sich bedanken mag!
(Major Update 29.9.2011)
Klaus Ungerer wuchs zwischen Backsteinen auf in der Hansestadt Lübeck, machte dort 1988 sein Abitur am Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasium und quälte sich anschließend durch 20 Monate Zivildienst. Ab 1990 studierte er Diverses, dabei vorzugsweise Skandinavistik und Volkskunde: in Göttingen, Lund und Kiel. Er empfand die Universitätsausbildung als wenig zielführend und hatte aber auch keins. Um 1996/97 herum bildete er sich intensiv ein, dass er versuchen müsse, vom Schreiben zu leben und tut dies seit 1998. Literarisch veröffentlicht hat er seit 1990, als erster Roman erschien 2008 sein fragmentiertes Planetenporträt "Alles über die Welt". Der zweite erscheint im Frühjahr 2012, wieder bei Blessing. Klaus Ungerer war von 2001 bis 2003 Redakteur im FAZ-Feuilleton, wo er seit 2004 eine Kolumne mit Reportagen aus dem Strafgericht in Moabit betreibt. Er ist Mitgesellschafter der Textagentur "glossendienst", er gehört zum Redaktionsteam der Satirerubrik SPAM auf spiegel.de. Klaus Ungerer ist verheiratet, hat eine Tochter und zwei Lieblingsvereine: VfB Lübeck und Hertha BSC.